KUNST: Sense 2014


Sehen. Fühlen. Reagieren.

 

Das Handwerk beginnt im Zusammenspiel von Auge und Hand. Jeder präzise Schnitt, jede Oberfläche, jede Form ist Ergebnis einer stillen Abstimmung zwischen Wahrnehmung und Handlung – der Augen-Hand-Koordination. Der Sehsinn erfasst, ordnet und antizipiert; der Tastsinn (Fingerspitze) prüft, bestätigt und korrigiert. Erst im Dialog beider Sinne entsteht Kontrolle, und mit ihr die Möglichkeit zur Gestaltung.

 

Doch was geschieht, wenn Gewissheit fehlt?


Wenn ein Impuls keine eindeutige Funktion hat? Ein Knopf, dessen Wirkung unbekannt ist – gedrückt aus Neugier, Zögern oder Intuition. Der Moment vor der Reaktion wird zum eigentlichen Erfahrungsraum: Erwartung trifft auf Unsicherheit.

 

Sense lädt dazu ein, diesen Zwischenzustand bewusst zu betreten. Ein einfaches Fernrohr aus zwei WC-Papierrollen richtet den Blick und reduziert ihn zugleich. Der schwarze Punkt – eine künstliche Pupille – zwingt zur Fokussierung. Sehen wird hier nicht als selbstverständlich vorausgesetzt, sondern als aktiver, begrenzter Prozess erfahrbar gemacht.

 

Zwischen Sehen und Fühlen entsteht ein Spannungsfeld: Orientierung und Irritation, Kontrolle und Experiment.
Was passiert, wenn wir handeln, ohne zu wissen, was folgt?

Und wie verändert sich unsere Wahrnehmung, wenn wir gezwungen sind, genauer hinzusehen – oder genauer hinzufühlen?

 

Sense versteht das Handwerk nicht nur als Technik, sondern als sinnliche Praxis – als fortwährende Verhandlung zwischen Wahrnehmen und Reagieren.


Sense

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